„Meine Kinder, ich möchte euch schärfen!“

Als Kind beobachtete ich oft meinen Vater, wie er die Wiese vor unserem Haus mit einer Sense mähte, um Heu für den Winter für unsere Kaninchen zu machen.  Es war eine große Wiese und deshalb mähte er sie nicht an einem Stück. Wenn er spürte, dass seines Sense nicht mehr scharf war, machte er eine kleine Pause, nahm den Schleifstein aus seiner Tasche und schärfte die Sense mit einigen geübten Handbewegungen. Dann ruhte er sich noch eine kurze Weile auf seiner Sense aus und machte dann mit geschärfter Sense erfrischt weiter.

Vor kurzem wollte mir jemand ein Kompliment machen, indem er sagte:
„Hartmut, ich bewundere deine Unermüdlichkeit, mit der du uns Lehrer immer wieder versuchst zu ermutigen.“
Aber „Unermüdlichkeit“ ist ein unrealistisches Wort, insbesondere wenn es um meine Berufung als Lehrer, oder um meine Vision: „Sei Sämann an deiner Schule!“ geht.
Entmutigungen, Enttäuschungen, Gefühle der Überforderung … kenne ich nur zu gut.

Es lässt sich nicht vermeiden, dass wir die Härten dieser Welt in der Schule zu spüren bekommen und daran stumpf werden: Wir erleben Misserfolge, eigene und fremde Schuld. Menschen und Umstände verletzen uns. Es liegt im Wesen der Menschen, sich gegenseitig zu verletzen. Schüler können da manchmal sehr hart und direkt sein.
An manchen Widrigkeiten und Problemen reiben wir uns auf.
Die vielen kleine Enttäuschungen hinterlassen ihre Spuren in unseren Seelen.

Es ist nicht die Schuld der Sense, dass sie stumpf wird. Nur eine unbenutzte Sense bleibt scharf. Es ist nicht zu vermeiden, dass die Sense ihr Schärfe verliert; es liegt in der Natur der Sache.
Unsere Stumpfheit zeigt uns: Wir haben die Härte unserer Berufung erlebt. Es ist nicht schlimm, wenn wir stumpf werden. Aber es ist unklug, wenn wir uns nicht immer wieder rechtzeitig schärfen lassen!!!
Es kostet ungeheure Kraft, wenn wir mit einer abgestumpften Seele leben und arbeiten.
Die Bibel sagt: „Wenn ein Eisen stumpf wird und an der Schneide ungeschliffen bleibt, muss man mit ganzer Kraft arbeiten. Aber die Weisheit bringt die Dinge in Ordnung (macht sie wieder scharf).“ Kohelet 10,10

Jesus möchte uns immer wieder rechtzeitig schärfen,
aber wir denken: „Es reicht schon noch!“
Wir wollen uns oft nicht unterbrechen lassen und unsere Arbeit durchziehen und reden uns fälschlicherweise ein: „Es geht schon noch!“
Aber mit einer stumpfen Seele, arbeiten wir aus eigener Kraft, verlieren wir die Gemeinschaft mit dem HLG und verlieren das Gespür, für das, was ER im Moment tun möchte und was geschehen soll. (vgl. Schleske in „Herztöne“ S. 12 ff)

Wir sind verantwortlich dafür, uns zeigen zu lassen, wann und wie wir rechtzeitig geschärft werden können. Wer sich rechtzeitig schärfen lässt, begreift die Würde, die Gott uns gegeben hat, verantwortlich zu sein.
Wir sind mitverantwortlich für den Zustand/Schärfe unserer Seele.
Vollkommen zu sein, bedeutet nicht, dass wir nicht stumpf werden, sondern,
dass wir uns immer wieder rechtzeitig schärfen lassen.

Die erste Stunde des Tages …

Die 1. Stunde des Tages darf ich selber Schüler sein,
Schüler meines Lehrmeisters Jesus.

Ich darf mir von IHM meine Füße vom Schmutz/Versagen des Vortages waschen lassen, um ins Allerheiligste seiner Gegenwart einzutreten.
Ich sitze zu seinen  Füßen und höre IHM zu.
Ich breite vor ihm meinen Tag aus,
lasse mich von IHM trösten, ermutigen, stärken, beraten…
Ich höre die Worte:
„Du bist mein geliebtes Kind – ich werde dich nicht verlassen noch versäumen!“

Ich gewinne eine neue Ewigkeits-Perspektive:
Ewige Schätze sammeln zu dürfen, statt für Vergängliches arbeiten zu müssen.
Ich bekomme Zuversicht, dass Gott auch heute wieder mit mir ist,
und die Erkenntnis, dass ER  Gott der Allmächtige ist…

Langsam wird es  ruhig in mir
und eine Gelassenheit und gespannte Vorfreude auf den neuen Tag stellt sich ein.
Aus Schwierigkeiten sind Chancen geworden,
Ängsten und Sorgen sind Mut und Zuversicht gewichen.

Erst jetzt bin ich bereit und innerlich vorbereitet für den neuen Tag
und für die große Verantwortung Lehrer/Erzieherin  zu sein.

Ich gehe los an der Hand meines Vaters, ausgestattet mit göttlicher Autorität,
im Zwiegespräch mit IHM bleibend,
erwartungsvoll Ausschau haltend nach Gelegenheiten
mit all meinem Reden und Tun
von DEM zu erzählen, der mein Herz erfüllt, der mein Leben lebenswert macht.

Ja,  ohne diese 1. Stunde möchte ich nicht mehr losgehen müssen

 

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

„Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied und Neubeginne;
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu begeben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“
(Auszug aus Hermann Hesses „Stufen“ vom 04.05.1941)

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Wohl dem Herzen, welches im Frieden mit Vergangenem bereit zum Neubeginne voll Tapferkeit und ohne Trauern das Neue ganz umschließen kann. Welch Tapferkeit, wenn Herzen sich trotz mancher Schmerzen, trotz mancher Wunde der Vergangenheit von neuem voller Zugewandtheit begegnen. Wie sehr, meine Herz, Du dabei gleichst dem zarten Pfänzlein, das den Schutz und die Obhut, ja die Liebe ihres Schöpfers begehrt.

Voll Zuversicht, ergriffen vom Zauber des Neubeginnes sehnt sich mein Herz zum Beginn des Schuljahres nur nach einem: Eins zu bleiben mit Dir, oh Gott. In Deiner Ruhe, Deiner Liebe, Deinem Verständnis, Deinem Erbarmen und – Deiner Gelassenheit zu bleiben, mein Jesus. In der Gelassenheit, die mir schenkt, in meiner „Originalität“ zu leben, zu begegnen, zu lehren und zu lernen.

Diese gute Intention, diese innere Freude und Gelassenheit in IHM ist in großer Gefahr. Täglich. Vom ersten Tage des neuen Schuljahres an, sobald ich einen Fuß ins Schulhaus setze, die Treppen zum Lehrerzimmer erklimme, langsam den vielen Stimmen näher und näher komme, steige ich ein in ein gewaltiges, scheinbar auf mich wartendes HAMSTERRAD, das sich mit voller Geschwindigkeit dreht – als hätte es keinen Tag geruht. Und welches mich strampeln lässt, als gäbe es kein Morgen.

Ihr kennt es auch, das Hamsterrad – es gleicht einem riesigen Sog, welchem zu entfliehen mein Herz zu schwach zu sein scheint.

Und doch, und doch ist sie da – die Stimme meines geliebten Vaters im Himmel, welche mir im lautesten Trubel zuflüstert: „Bleib in mir.“ Und wenn, ja wenn ich dieser leisen Stimme, diesem wundervollen Werben meines Schöpfers um Stille in Ihm inmitten des tobenden Sturmes nachgebe, steige ich im Geiste aus aus dem mich verzehrenden Hamsterrad und ein in ein gewaltiges, ein wundervolles vom Wasser des Lebens bewegtes WASSERRAD, welches aus Seiner Kraft sich dreht – und das Korn zu Mehl mahlt, welches den Menschen zum Leben wird.

(das Bild vom Hamsterrad und Wasserrad ist inspiriert von Martin Schleske, Herztöne, adeo Verlag, Asslar 2016, Seite 250 & 253).

Die dreifältige Dimension des Glücks

Das NT spricht von einer dreifachen Einheit des Menschen aus Leib, Seele und Geist.
„Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch
und bewahre euren Geist samt Seele und Leib.“  
1.Thess 5,23
Deshalb spricht Martin Schleske in seinem neuen genialen Buch: „Herztöne“
auch von einer dreifältigen Dimension des Glücks:

Das Glück des Leibes ist Wohlbefinden.
Darum sollst du auf deinen Leib achtgeben und die Quellen deines Glücks in diesem Bereich kennen. Bei mir sind das z.B. viel Bewegung in der Natur und gutes Essen und Trinken genießen … was Beate und ich ab heute drei Wochen bei unserer Wohnmobilreise durch Frankreich vielfältig auskosten 🙂

Das Glück der Seele ist Freude.
Darum sollst du um die Quellen deiner Freude wissen.
Meine Seele sehnt sich danach, mit Gott synchron zu sein.
Seine Gegenwart suchen, wahrnehmen, mit allen Sinnen erkennen, was er tun möchte und wo ich mit ihm zusammenwirken darf.
Die Wahrnehmung Gottes in meinem Alltag ist für mich die befriedigendste sinnliche Erfahrung die es gibt:
„Die Freude am HERRN, sie ist euer Schutz/eure Stärke!“  Nehemia 8,12

Das Glück des Geistes ist Sinn.
Du kannst kein erfülltes Leben haben, wenn du nicht fragst und weißt,
was sich durch dich erfüllen soll.
Wir sind geschaffen für eine liebevolle Wechselbeziehung mit IHM.
Wir dürfen im Gebet fragen:
Mein Gott, was bewegt dich? Was willst du mir zeigen? Was soll ich hören und verstehen? Woran willst du mir Anteil geben? Was soll mein Herz mitbewegen? Was darf ich im Gebet zur Welt bringen/gebären?
So bekommen wir Anteil an der Schöpferkraft dessen, der nur ein Wort spricht und es geschieht. Ich darf jemand sein, durch den Ströme lebendigen Wassers in diese Welt fließen. Gott hat uns im Gebet die Ehre gegeben, Ursache zu sein!
Gott möchte, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1.Tim 2,4) Dazu braucht er Mitarbeiter in seiner Ernte, für die wir z.B. im Bildungsbereich beten dürfen, damit die junge Generation in unserem Land wieder von Jesus hört…

Die Lebensschule Gottes möchte uns in die dreifältige Dimension des Glücks leiten:
„Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft und gut tut, und leitet auf dem Weg, den du gehst.“ Jesaja 48,17
Dieser Weg endet einmal in seiner ewigen Herrlichkeit!