Fastenzeit in fetten Landen. Teil 2

Zum Glück bin ich nicht anfällig für solche Dinge.

Tatsächlich? Schön wär’s. Wenn ich ehrlich bin, würde ich diese kleinen „Glücksinseln“ gerne alle aufsuchen. Und am besten ohne jemanden, der mir dabei über die Schulter schaut.

Nehmen wir zum Beispiel das Essen. Über die Jahre haben sich bei mir, ohne dass ich es gemerkt habe, viele ganz schleichend gekommene Angewohnheiten eingenistet, die auch keine Lust mehr hatten, zu gehen. Wenn ich eine Packung Chips geöffnet hatte, konnte ich – so habe ich es als Ausrede allen Leuten erzählt – nicht aufhören, bis sie leer war. Genauso mit Schokolade: das Ende der Tafel war die erste Möglichkeit, aufzuhören, zu essen.

Wer unsere alten LET-Potcasts schon einmal gehört hat, dem wird sicherlich nicht entgangen sein, dass Hartmut mich im Verlauf der Folgen immer wieder „gestichelt“ hat, was mein Körpergewicht anbelangte. 🙂  Zurecht. Ich wog einfach zu viel. Jedes Jahr ein Kilo mehr, ganz unbemerkt – und genauso unaufhaltbar.

Bis zu besagtem ersten Fastenprojekt mit meinem damaligen Relikurs im Jahr 2015. Während der Fastenzeit entschloss ich mich, auf Alkohol und Süßigkeiten zu verzichten und verkündete dies lauthals den Schülern, verbunden mit dem Angebot, dass sie mitmachen könnten. Das Ergebnis auf Schülerseite war wie letzte Woche beschrieben. Und bei mir?

Der Verzicht auf Alkohol war nicht ernsthaft ein Problem. Aber – und damit hatte ich nicht gerechnet – der für meinen Körper unverhoffte Zucker- und Fettentzug durch das Weglassen von Süßigkeiten. In der ersten Woche hatte ich unglaubliche Entzugserscheinungen – die Sehnsucht nach Süßem war ständig da. Aber ich durfte ja nicht schwach werden – was hätte ich sonst meinen Schülern erzählen sollen?

So hielt ich durch. Woche um Woche. Und erlebte eine wundersame Verwandlung. Ich fühlte mich besser und vor allem: die Lust auf Zucker wurde tatsächlich geringer. Das ganze Projekt lief so gut, dass ich es in der Fastenzeit 2016 gleich nochmal wiederholte. Und beim zweiten Mal fiel es mir schon viel leichter als im Jahr zuvor. Und der Langzeiteffekt? Mittlerweile esse ich kaum noch Süßigkeiten und habe in den letzten 2 Jahren 8 Kilo abgenommen. Es geht mir besser und ich fühle mich spürbar leichter.

Die Effekte sind schön und gut. Aber ich weiß, dass hinter dem Verzicht viel mehr steht: Eine bewusste Ausrichtung weg von den ständigen Süßigkeiten als Belohnungs-Spielchen, den Ausflüchten aus dem Alltag zu den kleinen „Sünden“, den kleinen „Essensglücklichmachern“. Weil Gott mich letztlich ruft, dass ich mich in den Situationen, in welchen ich mich nicht gut oder leer fühle, von Ihm füllen lasse, anstatt mich mit Chips vollzustopfen. Dass Er mich ruft, mit ihm zusammen zu sein, wenn ich mich nach Ablenkung und Wohlgeschmack sehne. Schrieb nicht schon David in Psalm 34 (Vers 9), dass wir schmecken und sehen sollen, wie gütig der „Ich bin da“ ist? Denn „glücklich ist der Mensch, der sich bei Ihm birgt.“

Wenn ich meine Alltagsgewohnheiten inmitten der diesjährigen Fastenzeit einer ehrlichen Bestandsaufnahme unterziehe, ergibt sich folgendes, ernüchterndes Fazit: die Ernährung ist nur einer der Bereiche, in welchen ich – und nicht nur in der Fastenzeit – fasten und mein Leben neu ausrichten sollte. Die Jahreslosung der Herrenhuter Brüdergemeinde heißt ja „Gott spricht: ‚Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch'“ (Hesekiel 36, 26).

Das kann ja noch ein spannendes Jahr werden… 🙂

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